Wissenwertes und Tipps für den Zeltkauf


Diese Einführung soll es Ihnen ermöglichen, sich mit der Thematik Zelt auseinander zu setzen, um Ihre Gedanken für ein neues Zelt konkretisieren zu können.  

Um es vorweg zu nehmen: Das allen Anforderungen gerecht werdende Allroundzelt gibt es nicht. Zelte haben immer bestimmte,manchmal weite, manchmal sehr spezielle Anwendungsbereiche. Die Auswahl eines Zeltes hängt ab von Ihren Bedürfnissen und den Kompromissen, die Sie bereit sind einzugehen: Wieviel Platz und Komfort ist notwendig? Wieviel Gewicht? Welche Preisklasse? Welche klimatischen Anforderungen soll das Zelt erfüllen?

Zelte für Schlechtwetter-Einsätze

- bis auf den Boden gezogenes Überzelt
- viele stabile Abspannmöglichkeiten
- Aussenzelt kann zuerst aufgebaut werden (Gestänge verläuft am Außenzelt)
- Innen- und Aussenzelt sind gekoppelt und voneinander trennbar
- windschnittige Form (niedrige Zelte sind meistens windstabiler)
- robustes, windstabiles Gestänge (Ersatzsegmente mitnehmen)
- grosse Apsiden für Ausrüstung
- mehrere Eingänge (immer einer im Windschatten)
- einfacher, zügiger Aufbau (auch mit Handschuhen)
- bei hohen Schneelasten empfiehlt sich eine geodätische Konstruktion (evtl. mit Snowflaps)


Zelte für warme Einsätze

- freistehendes Innenzelt, bei Bedarf kann das Aussenzelt als Wetterschutz ergänzt werden
- ausreichend Belüftungsmöglichkeiten (möglichst viel Moskito-Gaze, evtl. ein Grossteil des Innenzeltes)
- Aussenzelt möglichst nicht bis auf den Boden hinunter gezogen, dadurch bessere Belüftung
- Aussen- und Innenzelte aus Baumwolle/ Baumwoll-Mischgewebe


Zelt-Typen
Grob gesehen lassen sich 3 Zelt-Typen unterscheiden:


1. Einwandzelt

Einwandzelte bestechen durch einen sehr schnellen und einfachen Aufbau, ebenso überzeugen sie durch ihr geringes Gewicht und Packmass. Einwandzelte sind meist „Spezialistenzelte“ wie für Expeditionen, für Aufenthalte, als Lagerzelte oder für Ultraleichtgewichtsfreaks, denen jedes Gramm Gewicht entscheidende Vorteile bringt.


2. Doppelwandzelt mit dem Gestänge am Aussenzelt


Da das Innenzelt am Aussenzelt hängt und nicht separat befestigt werden muss, sind diese Zelte sehr schnell aufgestellt und bieten somit einen schnellen zuverlässigen Wetterschutz. Das Aussenzelt ist bis an den Boden geschnitten. Es besteht die Möglichkeit, auf Kosten des Insektenschutzes, ohne Innenzelt unterwegs zu sein um Platz für mehr Personen zu schaffen und das Minimum an Gewicht zu erreichen. 


3. Doppelwandzelt mit dem Gestänge am Innenzelt



Das  Innenzelt wird als erstes aufgestellt, anschliessend wird es mit dem Aussenzelt ergänzt. Dies dauert minim länger . Da sowohl das Innen- wie Aussenzelt zur Stabilität beitragen, sind diese Zelte etwas strumfester, was für die meisten Personen in der Praxis aber nicht von Belang ist.
An heissen Sommertagen kann auch nur das Innenzelt alleine aufgestellt werden. Meist ist das Aussenzelt nicht bis zum Boden reichend, wodurch zwischen Innen- und Aussenzelt eine gute Luftzirkulation entstehen kann.




Zelt-Architektur


Das Tunnelzelt

Diese Zeltform wird von mindestens zwei Gestängebögen, die zum Bogen aufgespannt parallel nebeneinander stehen, getragen. Sie muss in Längs- und Querrichtung abgespannt werden, um eine gute Windstabilität zu erreichen. Tunnelzelte bieten von allen Zeltformen die beste Raumausnutzung - das heisst im Verhältnis zur Grösse sind Tunnelzelte relativ leicht. Sie lassen sich schnell aufbauen, da Innen- und Aussenzelt meist miteinander gekoppelt sind. Tunnelzelte sind mit der schmalen Seite zum Wind sehr windstabil.

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Das Kuppelzelt

Die einfachste Form der Kuppelzelte ist die Kreuzkuppel: Zwei Gestängebögen kreuzen sich einmal über dem Zeltmittelpunkt. Die Gestängeführungen (Kanäle, Schlaufen) befinden sich meist am Innenzelt, das Aussenzelt wird nach dem Aufbau des Innenzeltes darüber befestigt. Eine Konstruktion, die wenig Heringe benötigt. Bei geodätischen Kuppelzelten kreuzen sich mehrere Gestängebögen mehrmals. Die Aussenzeltfläche wird so in kleinere Flächen unterteilt, infolgedessen erhöht sich die Eigen- und Windstabilität deutlich. Geodätische Zelte sind die erste Wahl für alle extremen Unternehmungen.

Das Hauszelt

Familien- oder Gruppenzelte sind dann der ideale Begleiter, wenn viele Personen gemeinsam unterwegs sind. Sie sind auf hohen Komfort und längere Standzeiten ausgelegt und zeichnen sich durch eine Vielzahl an Ausstattungsmerkmalen wie grosse Klarsichtfenster, viele Taschen etc. aus. Dadurch, dass die meisten Familienzelte grosse Innenräume sowie Stehhöhe besitzen, lässt es sich auch bei schlechterem Wetter im Inneren aushalten. Zudem verfügen sie zumeist über mehrere aushängbare Schlafkabinen. So lässt sich der Innenraum variabel gestalten.



Materialien und Beschichtungen

  • Baumwoll-Zelte oder Zelte aus Baumwoll-Mischgewebe (Polyester/Cotton) gewährleisten ein unvergleichliches Raumklima. Durch die gute Atmungsfähigkeit ist bei diesen Zelten Kondenswasser praktisch kein Thema. Auch bei heissem Wetter besticht Baumwolle durch ein angenehmes Klima. Baumwollzelte sind durch die sehr enge Webart und teilweise durch die Imprägnation wasserdicht. Eine sehr hohe UV-Resistenz ist ein weiteres Typische Merkmal.  Diese Vorzüge werden durch mehr Gewicht und Volumen erkauft.
  • Nylon-Zelte  haben eine sehr hohe Reiss- und Scheuerfestigkeit. Ergänzt mit einem eingewobenen Polyesterfaden entsteht das RipStop-Nylon das sich bei Nässe weniger dehnt und noch reissfester wird. High Tenacity RipStop-Nylon entsteht durch die beidseitige Beschichtung mit Silikon. Dieses höchstwertige Nylon ist zusätzlich noch reissfester und reduziert die UV-Empfindlichkeit erheblich.
  • Polyester-Zelte haben eine hohe Reiss- und Scheuerfestigkeit. Gute Qualitäten dehnen sich bei Nässe nicht, verrotten nicht und haben eine hohe UV-Beständigkeit.
  • Silikon-Beschichtung
    Für Zelte die beste, aber nicht die günstigste Beschichtung. Hohe Elastizität, Langlebigkeit, UV-Resistenz und eine Erhöhung der Reissfestigkeit des Aussenzeltes zeichnet eine Silikon-Beschichtung aus. Die Nähte sollten vor einem grossen Regeneinsatz mit einer Silikonpaste abgedichtet werden.
  • PU-Beschichtung (Polyurethan)
    Günstigere Beschichtung mit einer guten Flexibilität und einer hohen Dichte. Die Beschichtung der Wahl für Zeltböden. Die Nähte werden verschweisst.

 

Zeltpflege
Die allerwichtigste Regel ist, das Zelt nie im nassen oder feuchten Zustand über längere Zeit eingepackt zu lassen. Dies gilt sowohl für Baumwoll- wie auch für Kunststoffzelte.  Wenn möglich das Zelt geschützt vor direkter Sonnenstrahlung aufstellen. UV-Licht schadet langfristig jedem Material. Wenn das Zelt stark verschmutzt ist und dies störend wirkt, kann das Zelt mit einem weichen Schwamm und sehr mildem Waschmittel gereinigt werden. Starkes Reiben vermeiden, da sonst die Beschichtung oder die Imprägnierung beschädigt wird, was unweigerlich ein undichtes Zelt zur Folge hat.

Hier die Zeltpflege im Detail:

Die Pflege fängt schon beim Aufstellen an

  • Achten Sie darauf, dass der Untergrund, auf den Sie Ihr Zelt aufstellen, keine spitzen Steine, keine harten Stoppeln, keine dornigen Äste und keine Wurzelspitzen aufweist.
  • Am besten legen Sie unter den Zeltboden eine Plastikfolie. Sie vermindert nicht nur die Einwirkungen eines rauhen Untergrundes, sondern erlaubt auch, den Zeltboden beim Abbau immer sauber zu haben.
  • Halten Sie beim Aufbau alle Reissverschlüsse geschlossen und setzen Sie sie keinem starken Querzug aus.
  • Ziehen Sie die Spannringe und -leinen nicht über Gebühr stark an; versetzen Sie lieber einen Häring, wenn das Zeltdach nicht einwandfrei steht.


Die Pflege beim Gebrauch

  • Bürsten Sie Vogeldreck oder Erdspritzer ab, so bald sie trocken sind; nur wenn sie sich damit nicht entfernen lassen, nass bürsten, aber ohne Seife oder ähnliches.
  • Entfernen Sie feuchtes Laub sobald als möglich vom Zeltdach. Bei grösseren Zelten leistet ein Besen mit langem Stiel dabei gute Dienste.
  • Bürsten Sie den Zeltboden jeden Morgen, zumindest wenn es nötig ist, aus.
  • Geht durch Sturm, Unachtsamkeit oder Altersschwäche etwas am Zelt kaputt, reparieren sie es am aufgestellten Zelt wenigstens provisorisch. Nehmen Sie für diesen Fall zum Zelten immer Nähzeug, Klebband und Ersatzteile (Schnüre, Spanner, Häringe, Haken usw.) mit.
  • Reinigen Sie auch andere Flecken (von ungewaschenen Händen, Lippenstift, Lebensmitteln usw.) sofort so gut es geht.

Die Pflege beim Abbau

  • Ziehen Sie die Häringe so aus dem Boden, dass sie sich nicht verkrümmen.
  • Achten Sie darauf, dass der Stoff nicht auf schmutzigen Boden zu liegen kommt.
  • Nehmen Sie die Stangen sorgfältig auseinander; vermeiden Sie frei herausragende lange Stangen.
  • Reinigen Sie soweit nötig den Zeltboden, insbesondere im Bereich der Bodenringe oder -ösen.
  • Reiben Sie nasse Stoffflächen ab und lassen Sie den Stoff trocknen, soweit die Umstände es erlauben. Es schadet einem Zelt nicht, wenn es einmal nass oder feucht eingepackt werden muss, wohl aber, wenn es so eingepackt bleibt.

 Die Pflege nach dem Zelten

Wenn Ihr Zelt nicht vollkommen trocken eingepackt wurde, hängen oder stellen Sie es spätestens nach 24 Stunden zum Trocknen auf. Falls Sie weiter zelten, darf es auch im Regen stehen; nur muss Luft dran kommen.

Kontrollieren Sie daheim, sofort nach der Rückkehr

  • ob Ihr Zelt sauber ist; reinigen Sie, was Sie unterwegs nicht einwandfrei entfernen konnten;
  • ob an Ihrem Zelt irgend etwas defekt ist; bringen Sie das baldmöglichst in Ordnung;
  • ob an Ihrem Zelt irgend etwas fehlt (z.B. Häringe); ersetzen Sie es baldmöglichst;

Verstauen Sie Ihr Zelt erst, wenn es sauber, vollständig und gebrauchsbereit ist.

Lagern Sie Ihr Zelt an einem trockenen Ort (lieber in einem im Winter kalten, trockenen Estrich als in einem wärmeren feuchten Keller).

Wie reinigt man ein Zelt?

Beachten Sie folgende Faustregel: Erst trocken bürsten; wenn das nichts nützt, nass bürsten; wenn auch das nichts nützt: waschen.

Waschen also nur im Notfall, und das mit Vorbehalt: Nicht gewaschen werden sollten

  • Steilwandzelte, weil sie nachher nicht mehr aufs Gerüst passen; am besten wird der Stoff am aufgestellten Zelt mit handwarmem Wasser gebürstet.
  • Zelte aus beschichteten Kunststoffen (Nylon, Polyester usw.), weil sie das Waschen schlecht vertragen; sie nehmen zum Glück Schmutz weniger leicht auf als solche aus Baumwolle. Baumwollgewebe können sogar gekocht werden, solche aus beschichtetem oder unbeschichtetem Kunststoff dürfen nicht wärmer als 30 bis 40 Grad gewaschen werden.

Wenn nach der Reinigung nicht alle Flecken verschwunden sind, versuchen Sie nicht, sie durch eine chemische Reinigung wegzubringen; sie schadet nur dem Stoff. Ein fleckiges Zelt ist alleweil besser als ein nicht genügend reissfestes.

Dies gilt insbesondere für Stockflecken, die sich bei zu lange feucht eingepackten - in seltenen Fällen auch bei längere Zeit aufgestellten - Baumwollzelten bilden können. Lassen Sie sie lieber durch die Sonne bleichen.

Nehmen Sie vor dem Waschen alle Schnüre und Gummiteile ab und schliessen Sie die Reissverschlüsse.

Nachimprägnieren

sollten Sie ein Baumwollzelt (Nylonzelte haben dies nicht nötig) nur in zwei Fällen:

  • nach einer allfälligen Wäsche;
  • wenn Sie bei längerem Regen feststellen, dass es nicht mehr ganz dicht ist. Imprägnieren Sie Ihr Zelt niemals vorsorglich; ein zu stark imprägniertes Baumwollgewebe kann auf der Oberfläche keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen und so nicht mehr quellen (sich zusammenziehen und dichter werden).

Das Nachimprägnieren besorgen Sie am besten am aufgestellten Zelt, indem Sie das Imprägniermittel aufsprühen oder mit einem Schwamm auftragen.

Sollte Ihr Zeltdach Harzflecken bekommen haben, können Sie sie mit Azeton entfernen. An den betreffenden Stellen muss der Stoff anschliessend wieder imprägniert werden.

Wie kann man sein Zelt selber instandsetzen?

Risse oder Löcher in Bauwollstoffen flicken Sie am besten mit einem bei SPATZ erhältlichen Bügelflick (einmal mit dem warmen Eisen darüber genügt); das gibt keine Nahtlöcher wie bei aufgenähten Flicken. Risse oder Löcher in synthetischen, beschichteten oder unbeschichteten Stoffen oder in Kunststoff-Folien flicken Sie mit aufzuklebenden Flicken aus dem gleichen Material. Der Klebstoff muss dem Material entsprechen.

Reissverschlüsse, die nicht mehr gut laufen, können Sie mit einer Wachskerze oder mit Seife einreiben. Es gibt bei SPATZ auch entsprechenden Silikon-Spray.

Reissverschlüsse, die nicht mehr schliessen, tun dies in vielen Fällen wieder, wenn man einen neuen Schieber einzieht.

Gummiteile am Zelt behandeln Sie am besten mit Talk.

Für ausgerissene Ösen bekommen Sie bei SPATZ preiswerte Garnituren (übrigens auch für Druckknöpfe) mit dem nötigen Werkzeug dazu.

Was muss man sonst noch beachten?

Ein Zelt ist seiner Natur nach nicht dafür geschaffen, monatelang am gleichen Ort aufgestellt zu bleiben; billige Nylonzelte halten das nicht einmal drei Monate aus. Schädlich ist vor allem, wenn ein Zelt unbewohnt bleibt, weil es dann nicht mehr regelmässig gelüftet wird. Wenn Sie Ihr Zelt für mehr als einen halben Tag unbeaufsichtigt lassen, schliessen Sie alle Reiss verschlüsse und bringen Sie die Sturmverspannungen an.

Zum Schluss: Alle Zeltstoffe, ob Baumwolle oder Kunststoffe, sind brennbar.

Schützen sie Ihr Zelt deshalb vor Feuer.

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